DZG: Wer Minijobs vom Platz stellt, verliert das ganze Spiel

2. Juli 2026 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Denkfabrik sieht massive Negativfolgen für Hospitality, Catering, Handel und Eventwirtschaft

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) warnt vor den Folgen der geplanten Abschaffung des Minijob-Status. Aus Sicht der DZG würde dies weder den Arbeitsmarkt noch die Rentenversicherung nachhaltig stärken. Stattdessen drohten massive Personalengpässe in Gastronomie, Hotellerie, Catering, Handel, Pflege sowie im Event- und Messebereich. „Wenn das tatsächlich so 2027 umgesetzt wird, wird es künftig keine Fußballspiele mehr in ihrer heutigen Form geben – weil Sicherheits-, Ordnungs-, Technik- und Gastronomiepersonal nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen werden. Und das wäre nur der Anfang. Die Bundesregierung sollte ihre Minijob-Pläne daher wieder fallen lassen“, sagt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.

Zum 31. März 2026 waren bundesweit rund 6,55 Millionen Menschen in gewerblichen Minijobs beschäftigt, darunter 873.000 Minijobber im Gastgewerbe. „Minijobs sind also keine Randerscheinung des Arbeitsmarktes, sondern de facto ein entscheidender Stabilitätsfaktor für die Dienstleistungswirtschaft in Deutschland. Ohne sie können viele Bereiche auf absehbare Zeit ihren Aufgaben nicht mehr vernünftig nachkommen können“, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Wer davon ausgehe, dass geringfügige Beschäftigung automatisch in sozialversicherungspflichtige Stellen übergingen, verkenne die Lebensrealität vieler Menschen und die ökonomische Lage. Studierende, Rentner, Eltern oder Menschen mit einem Hauptberuf brauchen flexible Beschäftigungsformen. Fallen diese ersatzlos weg, verschwindet nicht die Arbeit, sondern die Arbeitskraft“. Aus Sicht der Denkfabrik würde dies eine massive Mitarbeiterkrise verursachen – ein spürbarer Rückgang von Reise-, Essens-, Übernachtungs-, Veranstaltungs- und Freizeitangeboten wäre dadurch vorprogrammiert. 

Minijobs sichern Beschäftigung und Angebot

Die Denkfabrik verweist darauf, dass viele Betriebe bereits heute ihren Personalbedarf nicht mehr decken können, völlig unabhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses: Verkürzte Öffnungszeiten, eingeschränkte Angebote oder zusätzliche Ruhetage seien vielerorts auch Folge fehlender Mitarbeiter. Gleichzeitig seien die gewerblichen Minijobs zuletzt rückläufig gewesen. Zusätzliche Belastungen für Arbeitnehmer, die je nach Steuerklasse künftig nur noch 400 Euro statt 600 Euro netto im Monat zusätzlich verdienen würden, seien das absolute falsche Signal in der aktellen Wirtschaftslage.

Auch DZG-Vorstandsmitglied Ralf Gravelaar warnt vor den praktischen Folgen einer Minijob-Reform: „Gerade die Gastwelt, aber auch der Handel und die gesamte Dienstleistungswirtschaft leben personell von flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Veranstaltungen, Wochenenden oder Saisonspitzen lassen sich ohne Minijobs häufig nicht mehr organisieren. Wer dieses Instrument abschafft, riskiert weniger Service, kürzere Öffnungszeiten und am Ende den Verlust von Wertschöpfung in unseren Städten und Regionen. Diese negative Entwicklung werden alle zu spüren bekommen“, so der Personldirektor von Areas Deutschland.

Erwerbsarbeit jetzt attraktiver machen

Die DZG plädiert deshalb für einen anderen Ansatz. Statt bewährte und verlässliche Beschäftigungsformen abzuschaffen, sollten die tatsächlichen Hemmnisse beseitigt werden. Dazu gehört insbesondere eine Reform der steuerlichen Behandlung von Zweitbeschäftigungen. Wer neben seinem Hauptberuf zusätzlich arbeitet, werde heute über die Steuerklasse VI erst einmal finanziell benachteiligt. Hier ließen sich Anreize schaffen, mehr reguläre Nebentätigkeiten aufzunehmen, ohne die notwendige Flexibilität des Arbeitsmarktes einzuschränken.

Geringfügige Beschäftigung müsse insbesondere für Studierende, Schülerinnen und Schüler, Rentnerinnen und Rentner, Eltern sowie Menschen mit einer Hauptbeschäftigung erhalten bleiben. Gerade in der Gastwelt mit ihren Teilbranchen Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeitwirtschaft seien flexible Beschäftigungsformen wegen des Veranstaltungs-, Wochenend- und Saisonbetriebs unverzichtbar. Gleichzeitig gelte es, den Übergang in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung attraktiver zu machen. Personalexperte Gravelaar: „Zusätzliche Arbeitsstunden müssen sich für Beschäftigte wieder spürbar lohnen – durch steuerliche Entlastungen bei Zweitjobs, höhere Freibeträge und geringere Abgaben auf zusätzliche Arbeit“.

Deutschland brauche jetzt mehr Erwerbsbeteiligung – nicht weniger, ergänzt Marcel Klinge. „Die Gastwelt steht für Millionen Arbeitsplätze, Lebensqualität und wirtschaftliche Dynamik. Wer Beschäftigung fördern will, sollte flexible Arbeitsformen stärken statt sie abzuschaffen, nur um kurzfristig Haushalts- und Sozialversicherungslöcher notdürftig zu stopfen.“

Bildunterschrift:

Wollen Minijobs in ihrer jetzigen Form erhalten: Die Denkfabrik-Vorstände Dr. Marcel Klinge (links) und Ralf Gravelaar. Bild: DZG.

 

 

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.