Denkfabrik sieht massive Negativfolgen für Hospitality, Catering, Handel und Eventwirtschaft
Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) warnt vor den Folgen der geplanten Abschaffung des Minijob-Status. Aus Sicht der DZG würde dies weder den Arbeitsmarkt noch die Rentenversicherung nachhaltig stärken. Stattdessen drohten massive Personalengpässe in Gastronomie, Hotellerie, Catering, Handel, Pflege sowie im Event- und Messebereich. „Wenn das tatsächlich so 2027 umgesetzt wird, wird es künftig keine Fußballspiele mehr in ihrer heutigen Form geben – weil Sicherheits-, Ordnungs-, Technik- und Gastronomiepersonal nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen werden. Und das wäre nur der Anfang. Die Bundesregierung sollte ihre Minijob-Pläne daher wieder fallen lassen“, sagt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.
Zum 31. März 2026 waren bundesweit rund 6,55 Millionen Menschen in gewerblichen Minijobs beschäftigt, darunter 873.000 Minijobber im Gastgewerbe. „Minijobs sind also keine Randerscheinung des Arbeitsmarktes, sondern de facto ein entscheidender Stabilitätsfaktor für die Dienstleistungswirtschaft in Deutschland. Ohne sie können viele Bereiche auf absehbare Zeit ihren Aufgaben nicht mehr vernünftig nachkommen können“, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Wer davon ausgehe, dass geringfügige Beschäftigung automatisch in sozialversicherungspflichtige Stellen übergingen, verkenne die Lebensrealität vieler Menschen und die ökonomische Lage. Studierende, Rentner, Eltern oder Menschen mit einem Hauptberuf brauchen flexible Beschäftigungsformen. Fallen diese ersatzlos weg, verschwindet nicht die Arbeit, sondern die Arbeitskraft“. Aus Sicht der Denkfabrik würde dies eine massive Mitarbeiterkrise verursachen – ein spürbarer Rückgang von Reise-, Essens-, Übernachtungs-, Veranstaltungs- und Freizeitangeboten wäre dadurch vorprogrammiert.
Minijobs sichern Beschäftigung und Angebot
Die Denkfabrik verweist darauf, dass viele Betriebe bereits heute ihren Personalbedarf nicht mehr decken können, völlig unabhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses: Verkürzte Öffnungszeiten, eingeschränkte Angebote oder zusätzliche Ruhetage seien vielerorts auch Folge fehlender Mitarbeiter. Gleichzeitig seien die gewerblichen Minijobs zuletzt rückläufig gewesen. Zusätzliche Belastungen für Arbeitnehmer, die je nach Steuerklasse künftig nur noch 400 Euro statt 600 Euro netto im Monat zusätzlich verdienen würden, seien das absolute falsche Signal in der aktellen Wirtschaftslage.
Auch DZG-Vorstandsmitglied Ralf Gravelaar warnt vor den praktischen Folgen einer Minijob-Reform: „Gerade die Gastwelt, aber auch der Handel und die gesamte Dienstleistungswirtschaft leben personell von flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Veranstaltungen, Wochenenden oder Saisonspitzen lassen sich ohne Minijobs häufig nicht mehr organisieren. Wer dieses Instrument abschafft, riskiert weniger Service, kürzere Öffnungszeiten und am Ende den Verlust von Wertschöpfung in unseren Städten und Regionen. Diese negative Entwicklung werden alle zu spüren bekommen“, so der Personldirektor von Areas Deutschland.
Erwerbsarbeit jetzt attraktiver machen
Die DZG plädiert deshalb für einen anderen Ansatz. Statt bewährte und verlässliche Beschäftigungsformen abzuschaffen, sollten die tatsächlichen Hemmnisse beseitigt werden. Dazu gehört insbesondere eine Reform der steuerlichen Behandlung von Zweitbeschäftigungen. Wer neben seinem Hauptberuf zusätzlich arbeitet, werde heute über die Steuerklasse VI erst einmal finanziell benachteiligt. Hier ließen sich Anreize schaffen, mehr reguläre Nebentätigkeiten aufzunehmen, ohne die notwendige Flexibilität des Arbeitsmarktes einzuschränken.
Geringfügige Beschäftigung müsse insbesondere für Studierende, Schülerinnen und Schüler, Rentnerinnen und Rentner, Eltern sowie Menschen mit einer Hauptbeschäftigung erhalten bleiben. Gerade in der Gastwelt mit ihren Teilbranchen Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeitwirtschaft seien flexible Beschäftigungsformen wegen des Veranstaltungs-, Wochenend- und Saisonbetriebs unverzichtbar. Gleichzeitig gelte es, den Übergang in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung attraktiver zu machen. Personalexperte Gravelaar: „Zusätzliche Arbeitsstunden müssen sich für Beschäftigte wieder spürbar lohnen – durch steuerliche Entlastungen bei Zweitjobs, höhere Freibeträge und geringere Abgaben auf zusätzliche Arbeit“.
Deutschland brauche jetzt mehr Erwerbsbeteiligung – nicht weniger, ergänzt Marcel Klinge. „Die Gastwelt steht für Millionen Arbeitsplätze, Lebensqualität und wirtschaftliche Dynamik. Wer Beschäftigung fördern will, sollte flexible Arbeitsformen stärken statt sie abzuschaffen, nur um kurzfristig Haushalts- und Sozialversicherungslöcher notdürftig zu stopfen.“
Bildunterschrift:
Wollen Minijobs in ihrer jetzigen Form erhalten: Die Denkfabrik-Vorstände Dr. Marcel Klinge (links) und Ralf Gravelaar. Bild: DZG.