DZG sieht wachsende Risiken durch Rentenpläne & Umsatzsteuerdebatte – Minijobs vor dem Aus?
Steuern und Sozialversicherungsbeiträge könnten in den kommenden Jahren spürbar steigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) in ihrer neuen steuerpolitischen Risikobewertung für die Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeitwirtschaft). „Allein die geplante Rentenreform würde die Sozialbeiträge um mindestens zwei Prozent steigen lassen. In Kombination mit der beschlossenen Mindestlohnerhöhung könnte das in den kommenden Jahren zu Personalkostensteigerungen von sieben bis acht Prozent führen“, so DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge. Besorgt verfolgt die Denkfabrik auch die laufende Debatte über die ökonomische Sinnhaftigkeit der reduzierten Umsatzsteuer auf Speisen und Übernachtungen. So bezeichnete die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, die Gastro-Umsatzsteuer jüngst als „überflüssige Subvention“ und forderte deren Rücknahme.
Ob Ehegattensplitting, Handwerkerleistungen, Dienstwagenprivileg oder reduzierte Umsatzsteuer – nach aktuellen Medienberichten gibt es im Bundesfinanzministerium konkrete Einsparvorschläge, um die größer werdenen Löcher im Bundeshaushalt zu schließen. „Wir hören überall, dass in den kommenden Jahren massiv Geld eingespart werden soll und Subventionen runter müssen. Die Koalition steht unter massivem Handlungsdruck, deswegen sollten wir nicht den Fehler machen zu denken, dass uns nicht auch in der Gastwelt harte Einschnitte drohen. Das hat nichts mit Panikmache zu tun, sondern mit einer realistischen Einschätzung der Lage. Und die ist – ökonomisch wie politisch – so angespannt wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, erklärt der ehemalige Bundestagsabgeordnete.
Brisantes Gutachten zu reduzierten Umsatzsteuersätzen
Vor diesem Hintergrund weist Klinge auch auf ein brisantes Gutachten aus April 2026 hin, das im Auftrag des Bundesfinanzministers die wichtigsten reduzierten Umsatzsteuersätze evaluiert hat: „Gastronomie und Hotellerie schneiden mit Abstand am schlechtesten ab und werden in ihrer ökonomischen Wirkung ganz unten gerankt. Eine solche Studie kann politisch ganz schnell als Argument für eine Komplettstreichung eingesetzt werden.“
Derzeit wird in politischen Kreisen auch über eine allgemeine Mehrwertsteuerreform diskutiert, bei der Lebensmittel künftig mit null Prozent besteuert werden, und im Gegenzug der reduzierte Satz auf zehn Prozent und der reguläre Steuersatz auf 20 Prozent angehoben wird. „Die Kosten steigen, während die Konsumausgaben und damit die Nachfrage sinken. In dieser ‚Zwickmühle‘ sind Steuererhöhungen keine gute Idee, weil sie zu mehr Konsumzurückhaltung und weniger Wachstum führen“, so Klinge.
Wie geht es mit den Minijobs weiter?
Doch nicht nur steuerpolitisch droht der Gastwelt potenzielles Ungemach, sondern auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt. So sollen laut den aktuellen Rentenplänen die so genannten Minijobs in ihrer bisherigen Form faktisch abgeschafft werden und künftig volle Sozialabgaben für Arbeitnehmer und Arbeitgeber anfallen. „Zweitjobs, auf die die Gastwelt mit ihrem Saison-, Verantstaltungs- und Wochenendbetrieb besonders angewiesen ist, würden dadurch unattraktiv. Für viele Menschen fiele auch eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle weg, etwa für neue Anschaffungen, Wochenendausflüge und Reisen“, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete.
Denkfabrik für Steuerbündnis der Gastwelt
Vor diesem Hintergrund schlägt Klinge vor, dass sich die über 80 politischen Verbände und Organisationen der Gastwelt zu einem steuerpolitischen Bündnis zusammenschließen. Ziel müsse es sein, gegenüber Politik und Öffentlichkeit geschlossen aufzutreten und drohende neue Belastungen frühzeitig abzuwehren. Denkbar seien zudem strategische Allianzen mit dem Handwerk, dem Handel sowie der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft.
Bildunterschrift: DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge erklärt, warum die steuerpolitischen Risiken für die Gastwelt gestiegen sind. Bild: DZG.