„70 Prozent würden leer ausgehen“: Denkfabrik fordert deutliche Nachbesserungen bei geplanter Arbeitszeitreform

19. Juni 2026 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Flexibilität versprochen, Stillstand geliefert: DZG kritisiert Arbeitszeitpläne von Ministerin Bas

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat einen Referentenentwurf zur Reform der Wochenarbeitszeit in Deutschland erarbeitet, der vorsieht, dass flexiblere Arbeitszeiten künftig nur für Betriebe mit einem Tarifvertrag möglich sein sollen. Aus Sicht der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) wäre das eine große Enttäuschung und würde das zentrale Versprechen des Koalitionsvertrags zur Modernisierung des Arbeitszeitrechts ins Leere laufen lassen.

„Der jetzt vorliegende Referentenentwurf bringt unter dem Strich keine Verbesserung. Tarifbindung ist absolut wichtig, die Realität in der Gastwelt ist aber eine andere: Nur rund 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten heute in tarifgebundenen Betrieben. Wenn die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit ausschließlich an Tarifverträge geknüpft wird, geht diese Reform an 70 Prozent der Betriebe und ihrer Beschäftigten vollkommen vorbei“, so DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.

Für die Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeitwirtschaft) wird sich, sollte der Referentenentwurf so umgesetzt werden, also faktisch kaum etwas ändern. Besonders an kleinen und mittleren Betrieben ginge diese „Reform“ damit ohne jegliche Verbesserung vorbei. Dabei hat die Koalition im Koalitionsvertrag bewusst eine Modernisierung des Arbeitszeitrechts vereinbart, um mehr Flexibilität für Beschäftigte und Unternehmen zu schaffen. „Dieses Ziel darf jetzt nicht durch zusätzliche Hürden verwässert werden. Gerade in Dienstleistungsbranchen wie der Gastwelt mit schwankenden Nachfrageverläufen, Saisonspitzen und langen Öffnungszeiten brauchen wir praktikable Lösungen und keine Regelungen, die nur für einen winzig kleinen Teil der Betriebe funktionieren“, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete.

Flexibilisierung jetzt für alle Betriebe – Evaluation nach zwei bis drei Jahren

Vor diesem Hintergrund schlägt die Denkfabrik vor, die Flexibilisierung vollumfänglich und vor allem schnell zu ermöglichen und ihre Auswirkungen zum Beispiel nach zwei bis drei Jahren systematisch zu evaluieren. Wenn die Politik moderne Arbeitszeitmodelle wolle, dann sollte sie auch den Mut haben, sie zunächst breit zuzulassen und anschließend -bei tatsächlichem Bedarf- auf Basis von Erfahrungen nachzusteuern.

Klinge: „Die Gastwelt braucht jetzt schnelle und praxistaugliche Entscheidungen. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe lässt keine weitere Hängepartie zu. Deutschland diskutiert seit Jahren über mehr Flexibilität in der Arbeitswelt – jetzt ist die Zeit, sie auch umzusetzen. Bärbel Bas und die SPD müssen sich hier bewegen.“

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.