Denkfabrik warnt: Pflicht-Betriebsrente könnte zum teuren Bumerang für Betriebe werden

17. Juni 2026 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Gastwelt benötigt mehr Spielraum für attraktive Arbeitsplätze – nicht die nächste Pflichtabgabe

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) warnt vor den Folgen einer verpflichtenden betrieblichen Altersvorsorge mit zusätzlicher Finanzierungspflicht für Arbeitgeber. Hintergrund ist die aktuelle Debatte um eine Reform der Alterssicherung, in der Gewerkschaften und Teile der SPD intensiv für eine verpflichtende Betriebsrente werben. Aus Sicht der Denkfabrik ist das Ziel richtig, der vorgeschlagene Weg jedoch problematisch. Statt neue Lasten für Unternehmen aufzubauen, brauche es Anreize, die Beschäftigung attraktiver machen und Unternehmen in die Lage versetzen, freiwillig mehr für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun.

„Die Gastwelt braucht mehr Möglichkeiten, Beschäftigung attraktiv zu gestalten, nicht weniger“, erklärt Dr. Marcel Klinge, Vorstandsvorsitzender der DZG. „Wer Betriebe mit zusätzlichen Pflichtbeiträgen belastet, nimmt ihnen genau die finanziellen Spielräume, die sie für bessere Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, Mitarbeiterbindung oder freiwillige Vorsorgeleistungen benötigen. Wenn wir mehr Menschen für die Gastwelt – und damit für Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeitwirtschaft – gewinnen wollen, müssen wir Arbeitgeber stärken und nicht weiter belasten.“

Neue Belastungen gefährden Spielräume

Die Denkfabrik verweist auf die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. Nach sechs Jahren realer Umsatzverluste und mehr als 2 900 Insolvenzen allein im Jahr 2025 befinde sich ein erheblicher Teil der Gastwelt in einer ökonomisch angespannten Lage. Die Gastwelt brache daher aktuell vor allem eines: Verlässlichkeit und Luft zum Atmen. „Wer jetzt neue verpflichtende Arbeitgeberbeiträge einführt, gefährdet Investitionen, Beschäftigung und im Zweifel sogar die Existenz einzelner Betriebe. Das gilt insbesondere für Familienunternehmen, die das Rückgrat unserer Innenstädte, Tourismusregionen und Ortskerne bilden“, ergänzt Ralf Gravelaar, DZG-Vorstandsmitglied und Personaldirektor von Areas Deutschland.

Besonders kritisch bewertet die DZG die potenziell hohen administrativen Anforderungen. Die überwiegende Mehrheit der Betriebe verfüge weder über eigene Personalabteilungen noch über die Kapazitäten, komplexe Vorsorgemodelle aktiv zu verwalten. Neue Dokumentationspflichten, Vertragsbeziehungen und Haftungsfragen würden den ohnehin hohen bürokratischen Aufwand weiter erhöhen.

Anreize statt neuer Pflichten

Die Denkfabrik plädiert deshalb für einen anderen Weg: Statt verpflichtender Arbeitgeberbeiträge sollten steuerliche Anreize geschaffen werden, die Unternehmen motivieren, freiwillig in die Altersvorsorge ihrer Beschäftigten zu investieren. Gleichzeitig könnten solche Instrumente dazu beitragen, Arbeitsplätze in der Gastwelt attraktiver zu machen und die Betriebe im Wettbewerb um Fachkräfte zu stärken. Gerade in personalintensiven Dienstleistungsbranchen seien moderne Vergütungs- und Vorsorgemodelle ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung.

„Die Sicherung der Altersvorsorge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betonen Klinge und Gravelaar. „Sie darf nicht auf den Schultern der wirtschaftlich verwundbarsten Arbeitgeber ausgetragen werden. Wer die Zukunft der Rente sichern will, muss Lösungen entwickeln, die Beschäftigte schützen, ohne Arbeitsplätze und Betriebe zu gefährden.“ Die DZG fordert die Bundesregierung daher auf, bei den weiteren Beratungen die wirtschaftliche Realität personalintensiver Dienstleistungsbranchen stärker zu berücksichtigen. Gerade in einer Phase schwacher Konjunktur müsse das Leitprinzip gelten: Fördern statt verpflichten, entlasten statt zusätzlich belasten.

Bildunterschrift:

Die DZG-Vorstandsmitglieder Dr. Marcel Klinge und Ralf Gravelaar (rechts) warnen vor zusätzlichen Belastungen durch verpflichtende Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersvorsorge. Bilder: DZG.

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.