50 Prozent Sozialabgaben? DZG fordert jetzt den Reform-Turbo

1. Juni 2026 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Wirtschaftsweisen warnen vor Kostenkrise – Gastwelt sieht Mittelstand und Beschäftigung unter Druck.

Nach der Veröffentlichung des Frühjahrsgutachtens 2026 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung fordert die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) von der schwarz-roten Bundesregierung eine deutlich ambitioniertere und schnellere Reformagenda für den Standort Deutschland. Die Wirtschaftsweisen warnen in ihrem jüngsten Gutachten vor dauerhaft hohen Energiepreisen, schwachem Wachstum, steigenden Sozialabgaben und einer zunehmenden Belastung von Unternehmen und Beschäftigten.

Als besonders alarmierend bewertet die DZG die Prognose zur Entwicklung der Sozialversicherungsbeiträge. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz soll laut Gutachten von heute 42,3 Prozent bis 2030 auf 45,4 Prozent und bis 2040 auf nahezu 50 Prozent steigen. Gleichzeitig rechnen die Wirtschaftsweisen für Deutschland lediglich mit einem Wachstum von 0,5 Prozent im Jahr 2026 und 0,8 Prozent im Jahr 2027.

„Das Gutachten ist ein Weckruf für die Bundesregierung. Deutschland steuert auf eine massive strukturelle Kostenkrise zu, und die Gastwelt, bestehend aus Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit, steht dabei besonders unter Druck. Unser Dienstleistungssektor ist personalintensiv, mittelständisch geprägt und direkt von Kaufkraft, Mobilität und Konsum abhängig“, erklärt DZG-Vorstandsvorsitzender Dr. Marcel Klinge.

Weiter steigende Arbeitskosten werden zum Standortproblem

Die Denkfabrik fordert deshalb eine umfassende Reformbeschleunigung. Neben einer dauerhaften Entlastung bei Energie- und Arbeitskosten brauche Deutschland vor allem mehr wirtschaftliche Flexibilität, schnellere Verfahren und bessere Investitionsbedingungen.

Besonders dringlich sei aus Sicht der DZG die Reform des Arbeitszeitrechts. Die Denkfabrik fordert erneut, dass die geplante Arbeitszeitflexibilisierung noch vor der Sommerpause durch den Bundestag beschlossen wird. Starre tägliche Höchstarbeitszeiten passten nicht mehr zu den Realitäten einer modernen Dienstleistungsökonomie mit saisonalen und tagesabhängigen Nachfrageschwankungen. „Die Gastwelt braucht endlich ein modernes Arbeitszeitrecht auf Basis der europäischen Wochenarbeitszeit-Richtlinie. Wer diese Reform weiter verschleppt, verschärft den Personalmangel und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit eines ganzen Sektors“, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete.

Fachkräfteverfahren müssen schneller werden

Darüber hinaus fordert die DZG eine deutlich schnellere Fachkräftezuwanderung. Visa- und Anerkennungsverfahren dauerten weiterhin zu lange und entwickelten sich zunehmend zu einem Wachstumshemmnis für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus. Die Denkfabrik spricht sich deshalb unter anderem für ein konsequentes Work-Contract-Visum sowie vollständig digitalisierte Verfahren aus.

Auch bei Energie- und Logistikkosten sieht die DZG akuten politischen Handlungsbedarf. Der Sachverständigenrat weist ausdrücklich auf die Folgen hoher Energiepreise für Kaufkraft, Investitionen und Konsum hin. Gleichzeitig stiegen Transport- und Lieferkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter an. „Deutschland braucht jetzt keine Klein-Klein-Debatten mehr, sondern eine ambitionierte Wachstumsagenda für Beschäftigung, Mittelstand und Dienstleistungswirtschaft. Wer Wohlstand, regionale Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern will, muss jetzt entschlossen handeln“, erklärt Klinge.

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.