Neue Steuerschätzung: Risiken für die Gastwelt steigen sprunghaft an

8. Mai 2026 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Haushaltsspielräume im Bund werden immer enger – DZG fordert aktive Beteiligung an Steuerdebatte.

Am Donnerstag wurde von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) die neue Steuerschätzung vorgestellt. Auch weil sich die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland jüngst noch einmal eintrübte und die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von der Bundesregierung auf 0,5 Prozent halbiert wurde, werden die Steuereinnahmen laut Schätzung künftig deutlich geringer ausfallen: Die Experten rechnen bis zum Jahr 2030 in Summe mit einem Minus von 87,5 Milliarden Euro bei den Einnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden. Vor diesem Hintergrund warnt die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vor sinkenden fiskalischen Spielräumen und einer sich zuspitzenden steuerpolitischen Debatte, die sich durchaus negativ auf den Wirtschaftssektor Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit) auswirken könnte.

Angesichts schwacher Konjunktur, steigender Staatsausgaben und wachsender Verschuldung ist laut DZG absehbar, dass die öffentlichen Haushalte deutlich unter Druck geraten – mit direkten Auswirkungen auf wirtschafts- und finanzpolitische Prioritäten. Die laufenden Haushaltsplanungen verdeutlichen die Dimension. So soll die Nettokreditaufnahme von rund 98 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf über 110 Milliarden Euro im Jahr 2027 steigen, während die jährliche Gesamtverschuldung perspektivisch sogar über 200 Milliarden Euro erreichen kann. Gleichzeitig wachsen die Zinsausgaben bis 2030 auf bis zu 79 Milliarden Euro pro Jahr an.

„Die Spielräume werden deutlich enger – und damit steigen zwangsläufig auch die politischen Verteilungskonflikte im Bund“, sagt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge. „Wenn Haushalte konsolidiert werden müssen, geraten naturgemäß auch bestehende Strukturen und steuerpolitische Prioritäten in Bewegung.“

Aus Sicht der Denkfabrik könnte die Fiskaldebatte in den kommenden Monaten grundsätzlicher werden: Neben bereits angekündigten Einsparungen werden auch die Einnahmeseite sowie Steuervergünstigungen und Subventionen stärker in den Fokus rücken. Für die Gastwelt bedeutet das, dass sie sich in einem Umfeld wachsender Priorisierung stärker erklären und positionieren muss. „In Phasen knapper Kassen wird nicht nur über neue Maßnahmen entschieden, sondern auch Bestehendes kritisch hinterfragt“, so Klinge. „Gerade konsumorientierte Wirtschaftsbereiche müssen ihren Beitrag zu Beschäftigung, Wachstum und Binnenkonjunktur immer wieder sichtbar machen.“

Gemeinsames handeln aller Gastwelt-Stakeholder erforderlich

Die Denkfabrik ruft die Gastwelt einschließlich aller politischen Verbände daher auf, sich jetzt geschlossen und konstruktiv in die steuerpolitischen Diskussionen einzubringen. Strategisches Ziel müsse es sein, unternehmerische Planungssicherheit zu sichern und die Bedeutung der Gastwelt für die wirtschaftliche und soziale Stabilität Deutschlands klar zu verankern. „Die kommenden Jahre werden von harter Priorisierung geprägt sein“, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Wer seine Rolle und Bedeutung nicht aktiv kommuniziere, laufe Gefahr, in einer sich verschärften Verteilungsdebatte nicht mehr ausreichend berücksichtigt zu werden und ins Hintertreffen zu geraten.

Bildunterschrift:

DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge wirbt für eine aktive Beteiligung der Gastwelt an den steuerpolitischen Debatten der kommenden Monate. Foto: DZG.

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.