Denkfabrik fordert kurzfristige Entlastung und Belastungsmoratorium für systemrelevante Gastwelt
Angesichts aktuell der stark gestiegenen Energiepreise infolge der militärischen Eskalation im Nahen Osten warnt die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vor erheblichen wirtschaftlichen Belastungen für energieintensive Betriebe der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Für viele Unternehmen zeichnet sich damit der zweite große Energiepreisschock innerhalb weniger Jahre ab. Seit Beginn der Krise Ende Februar haben sich die europäischen Gaspreise deutlich erhöht und zeitweise rund 56 Euro pro Megawattstunde erreicht. Parallel dazu sind die Strompreise an den Börsen – auch aufgrund der engen Kopplung an den Gasmarkt – auf neue Rekordhöhen gestiegen. Der internationale Ölpreis hat sich zeitweise von rund 65 auf über 100 US-Dollar pro Barrel erhöht. Besonders Hotels, Thermen, Schwimmbäder und Freizeitbetriebe sehen sich dadurch erneut mit massiv steigenden Energie- und Betriebskosten konfrontiert. Die Denkfabrik fordert deshalb kurzfristige wirtschaftspolitische Entlastungen sowie ein Belastungsmoratorium für systemrelevante Dienstleistungsbranchen.
„Viele Betriebe erleben gerade ein Déjà-vu der Energiekrise von 2022. Energieintensive Hotels oder Freizeitbetriebe können ihre Kosten kaum kalkulieren, während gleichzeitig die Konsumlaune der Gäste ohnehin schon unter der allgemeinen Situation leidet“, sagt DZG-Vorstandschef Dr. Marcel Klinge. „Unsere Gastwelt-Unternehmen brauchen Schutz vor extremen Energiepreisschwankungen. Preisstabilität ist eine zentrale Voraussetzung für Investitionen und für den Bestand der Unternehmen, die gerade in der Krise auch eine wichtige soziale Rolle haben.“
Die aktuelle Preisentwicklung trifft eine Branche, die bereits stark unter Kostensteigerungen leidet. Energie gehört in vielen Betrieben zu den größten Kostenblöcken. Hotels mit Wellness-, Spa- oder Poolanlagen, Thermen sowie kommunale und private Schwimmbäder benötigen große Mengen an Wärme und Strom für Heizung, Warmwasser, Lüftung und technische Anlagen. Gleichzeitig erschwert die hohe Volatilität der Energiemärkte die Kalkulation für die bevorstehende Sommersaison erheblich.
Stromsteuersenkung für alle Unternehmen muss jetzt kommen
Vor diesem Hintergrund fordert die Denkfabrik kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Dazu gehören insbesondere eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau, eine gezielte Entlastung energieintensiver Dienstleistungsbetriebe sowie mehr Planungssicherheit bei Energieabgaben und Netzentgelten.
Die Denkfabrik warnt zudem davor, alleine auf eine schnelle Rückkehr zu deutlich niedrigeren Energiepreisen zu setzen. Zwar könnte ein Waffenstillstand kurzfristig spekulative Risikoaufschläge an den Energiemärkten reduzieren. Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gehen jedoch davon aus, dass sich die Preise nach geopolitischen Krisen häufig auf einem höheren Niveau stabilisieren. Selbst bei einem schnellen Kriegsende könnten beschädigte Infrastruktur, eingeschränkte Förderkapazitäten oder Risiken für wichtige Transportwege wie die Straße von Hormus die Lieferketten noch über Monate beeinträchtigen.
Aus Sicht der DZG muss die aktuelle Energiekrise deshalb auch als Anlass genutzt werden, die strukturelle Resilienz des Wirtschaftsektors zu stärken. „Gemeinsame Energiesicherheit ist ein wirtschaftspolitisches Projekt“, so Klinge. Energieintensive Betriebe der Gastwelt müssten daher jetzt gezielt dabei unterstützt werden, ihre energetischen Abhängigkeiten zu reduzieren und in effizientere und nachhaltigere Lösungen zu investieren, betont der ehemalige Bundestagsabgeordnete.
Bildunterschrift: DZG-Vorstandsvorsitzender Dr. Marcel Klinge sieht energieintensive Betriebe der Gastwelt durch die aktuellen Energiepreissteigerungen stark unter Druck. Bild. DZG.