Gastweltmacherin
Kerstin Rapp-Schwan
Kerstin Rapp-Schwan
- Gesellschafterin und Inhaberin der Schwan Restaurants in Düsseldorf und Umgebung sowie des Café Beethoven in Düsseldorf-Flingern. Als Vorständin im Frauennetzwerk Foodservice, Vizepräsidentin der IHK Düsseldorf, Mitinitiatorin von „Chefs in Town“ und Vorstandsmitglied der DZG steht sie für eine moderne, menschenorientierte Gastronomie und spricht über Leidenschaft, Verantwortung und die Zukunft gemeinsamer Esskultur.
1. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen und was begeistert Sie bis heute an Ihrer Arbeit, in der Gastronomie?
Ich habe mit 14 Jahren mein erstes Schülerpraktikum in einem Restaurant absolviert. Später habe ich eine Ausbildung als Industriekauffrau gemacht sowie ein BWL-Studium absolviert und in Agenturen und Unternehmensberatungen gearbeitet. Irgendwann stellte ich mir die Frage, ob ich das wirklich mein Leben lang machen möchte. Zu der Zeit ging mein Vater, dessen Lebenswerk die Restaurantkette Maredo war, in den Ruhestand. Da mein Herz immer für die Gastronomie geschlagen hat, übernahm ich mit 27 Jahren vier Standorte der Marke Spitz, die wir anschließend in Schwan umbenannten. Durch meinen Vater habe ich gelernt, wie viel einem dieser Beruf zurückgibt und welche Leidenschaft für die Menschen darin steckt. In keinem anderen Berufsfeld lernt man so viel über Menschen und über sich selbst. Die Gastronomie bietet eine enorme Vielfalt und ich denke, dass für jeden was dabei ist. Ob Social Media, Topmanager oder Spüler, wir bilden so viele Berufsbilder ab. Durch den niedrigschwelligen Einstieg kann sich jeder ausprobieren und das begeistert mich nach wie vor an der Branche. Es ist ein Privileg, Teil dieses sozialen Gefüges zu sein. Wir sind der analoge Treffpunkt in einer zunehmend digitalen Welt, denn essen werden wir auch in Zukunft gemeinsam, nicht virtuell.
2. Viele sagen: Gastronomie ist mehr als Essen und Trinken – es sind Treffpunkte, Orte der Begegnung und des Zusammenhalts. Wie erleben Sie das mit Ihren Gästen und Ihrem Team?
In der Tat: wir begleiten Menschen durch alle wichtigen Lebensereignisse, von der Geburt bis zum Tod. Orte des Alltags wären ohne uns unvorstellbar. Außerdem ist unsere Arbeit super kreativ und anpassungsfähig, das hat die Corona-Pandemie gezeigt. Die Mitarbeiter unserer Branche sind einfach unglaublich flexibel und lösungsorientiert. Meine Herzensangelegenheit ist, genau das sichtbar zu machen: wie wichtig und relevant wir für das gesellschaftliche Miteinander sind; und ich wünsche mir, dass die Gastronomie in ihrer Bedeutung für das soziale Leben stärker wahrgenommen und wertgeschätzt wird.
3. Welche Bedeutung hat die geplante Absenkung der Umsatzsteuer auf 7 % für Sie und was würde passieren, wenn sie nicht käme?
Diese Forderung ist ja nicht neu. Wir haben schon immer gefragt, warum eine Tütensuppe mit 7% und eine frisch zubereitete, in tollem Geschirr servierte Suppe mit 19% besteuert wird. Wenn die Senkung auf 7% nicht kommt, glaube ich ganz sicher, dass viele Betriebe aufgeben müssen. Das wäre nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sondern auch ein fatales Signal an die Gastronomie und die Gesellschaft insgesamt. Eine ausbleibende Anpassung würde zu einer massiven Marktbereinigung führen und das kann niemand wollen. Vor allem Individualisten werden zunehmend vom Markt verschwinden und die Vielfalt wird leiden. Denn betroffen wären nicht nur Restaurants, sondern in der Redaktionskette auch Kitas, Schulen und viele andere Einrichtungen. Die Konsequenzen wären enorm. Wenn die Mehrwertsteuersenkung allerdings durchgesetzt wird, wäre das ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für unsere Branche und die Arbeit, die wir täglich für unsere Gesellschaft leisten.