Gastweltmacher
Gerhard Bruder
Gerhard Bruder
- Gründer und Geschäftsführer des Institute of Culinary Art (ICA) sowie Aufsichtsratsmitglied der DZG. Als gelernter Koch, Netzwerker und Impulsgeber beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit der Zukunft der Ernährung. Im Interview spricht er darüber, warum gute Ernährung weit mehr ist als Versorgung und welche Verantwortung in ihr steckt.
1. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen und was begeistert Sie bis heute an Ihrer Arbeit?
Ich bin gelernter Koch und das bleibt immer ein Teil von mir. Schon früh hat mich fasziniert, was gutes Essen ausmacht: wie es Menschen verbindet, wie viel Verantwortung darin steckt und welche Geschichten sich hinter jedem Gericht verbergen.
Über die Jahre habe ich viele Stationen in der Gastronomie erlebt, aber irgendwann wollte ich mehr verstehen: Was steckt eigentlich hinter dem System, das Menschen täglich ernährt? Daraus ist das Institute of Culinary Art entstanden, ein Ort, an dem wir die Brücke zwischen Praxis, Ausbildung und Wissenschaft schlagen.
Mich begeistert bis heute, dass wir in dieser Branche nie stehen bleiben. Ernährung betrifft jeden von uns, jeden Tag, und wer hier gestaltet, gestaltet immer auch ein Stück Gesellschaft mit.
2. Viele sagen: Gastronomie ist mehr als Essen und Trinken – es sind Treffpunkte, Orte der Begegnung und des Zusammenhalts. Wie erleben Sie das mit Ihren Gästen und Ihrem Team?
Das kann ich nur bestätigen. Gastronomie ist ein sozialer Raum und vielleicht einer der letzten Orte, an denen echte Begegnung ganz selbstverständlich passiert.
Wenn Menschen gemeinsam essen, teilen sie nicht nur ein Menü, sondern auch Gespräche, Nähe, Erlebnisse. Diese Momente sind wichtig, gerade in einer Zeit, in der vieles digital wird.
In meiner Arbeit sehe ich oft, wie sehr uns diese Orte besonders während der Pandemie gefehlt haben. Kantinen, Restaurants oder Mensen sind nicht nur Versorger, sondern Teil unserer gesellschaftlichen Infrastruktur. Sie geben Struktur, schaffen Zugehörigkeit und machen Gemeinschaft im Alltag möglich.
3. Welche Bedeutung hat die geplante Absenkung der Umsatzsteuer auf 7 % für Sie und was würde passieren, wenn sie nicht käme?
Die Steuerfrage ist kein Randthema, sondern ein Symbol dafür, welchen Wert wir Gastlichkeit und Ernährung in diesem Land beimessen. Eine Senkung auf sieben Prozent wäre ein Beitrag zur Zukunftssicherung eines Sektors, der tagtäglich dafür sorgt, dass Menschen gut und mit Qualität versorgt werden.
Wenn sie ausbleibt, wird der Druck größer: auf Preise, auf Qualität, auf die, die sich ohnehin schon schwer tun, wirtschaftlich zu bestehen. Es geht hier nicht nur um betriebswirtschaftliche Kennzahlen, sondern um den Zugang zu guter Ernährung in Schulen, Kitas, Betrieben und Pflegeeinrichtungen.
Ich finde: Essen sollte nicht vom Geldbeutel abhängen. Es ist Teil von Lebensqualität und Würde und das sollte sich auch in der politischen Haltung widerspiegeln.