Publikationen
Studie September 2026

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Kita- und Schulverpflegung im Spannungsfeld von Versorgungsauftrag, Qualität und Kostendruck

Studie zur ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Schul- und Kitacaterer mit Fokus auf aktuelle Marktentwicklungen und Herausforderungen

September 2026 PDF · kostenfrei
DZG
Studie
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Kita- und Schulverpflegung im Spannungsfeld von Versorgungsauftrag, Qualität und Kostendruck
2026
PDF · kostenfrei

Studiendesign und Ziel

Die Studie „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Kita- und Schulverpflegung im Spannungsfeld von Versorgungsauftrag, Qualität und Kostendruck“ wurde von der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) in Auftrag gegeben und vom Institut für Sozialinnovation (ISInova) unter der Federführung von Prof. Dr. Jana Rückert-John und Dr. Alva Bonaker ausgearbeitet.

Die bundesweite Untersuchung analysiert die Struktur, Qualität und Leistungsfähigkeit der Kita- und Schulverpflegung in Deutschland im Jahr 2026 und fokussiert dabei vor allem auf die ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung des Gastwelt-Sektors.

Grundlage der Studie bildet eine bundesweite Online-Befragung, an der sich 305 Anbieter der Kita- und Schulverpflegung beteiligten. Daneben wurden qualitative Interviews mit Experten aus allen relevanten Marktsegmenten sowie eine umfangreiche Daten- und Literaturrecherche vorgenommen. Die Online-Befragung ist nicht repräsentativ, ermöglicht durch ihre hohe Teilnehmerzahl aber einen guten explorativen Einblick in den deutschen Markt.

Ziel der Untersuchung ist es, aktuelle, bundesweite Zahlen und Daten zur strukturellen und ökonomischen Lage der Kita- und Schulverpfleger in Deutschland zu liefern und ihre Rolle und Bedeutung – von Gesundheit über Krisenvorsorge bis zu sozialer Teilhabe – sichtbarer zu machen.

Das Wichtigste in Kürze
1 6 Mio. Kinder und Jugendliche werden täglich versorgt. Gleichzeitig erzielen 83 % der Caterer maximal 10 Mio. € Umsatz, während die 10 größten Anbieter rund 75 % des Gesamtumsatzes erwirtschaften.
2 73 % der Gesamtkosten entfallen auf Waren und Personal. Der durchschnittliche Preis pro Mittagessen liegt bei nur 4,21 € netto – gleichzeitig ist der Preis für 75 % das wichtigste Zuschlagskriterium.
3 Mit 4,21 € pro Mittagessen liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld. Anders als Länder wie Finnland oder Schweden gibt es hierzulande kein flächendeckend kostenfreies Schulessen.
4 Jedes vierte Kind in Deutschland ist übergewichtig. Gleichzeitig haben nur 69 % der 6- bis 17-Jährigen Zugang zu einer warmen Mahlzeit in ihrer Bildungseinrichtung.
5 In weiterführenden Schulen essen häufig nur 30–40 % der Jugendlichen mit. Gleichzeitig waren 8 der 10 beliebtesten Gerichte 2025 vegetarisch.
6 Nur 69 % der Kinder und Jugendlichen haben Zugang zu einer warmen Mahlzeit in ihrer Einrichtung. Gemeinsames Essen stärkt Ernährungskompetenz, soziale Teilhabe und Bildungschancen.
7 75 % der Caterer verfügen über Notfallpläne für Personalausfälle, 74 % für Lieferkettenstörungen. Gleichzeitig beklagen 75 % mangelnde politische Unterstützung.
8 70 % der Unternehmen stellen zusätzlich Personal vor Ort, 62 % liefern Technik und ein Drittel bietet Ernährungsbildungsangebote an.
9 80 % der Caterer arbeiten mit „Cook and Hold“. 41 % nutzen bereits „Cook and Chill“ – ein System, das viele Anbieter als vorteilhaft für Speisen- und Nährstoffqualität bewerten.
10 60 % sehen Arbeitskräftemangel als große Herausforderung, 55 % Digitalisierung und KI. Digitale Systeme können Prozesse effizienter machen und Kosten sowie Lebensmittelabfälle reduzieren.
11 Der bundesweite Bioanteil liegt im Median bei 20 %. Berlin ist mit durchschnittlich 68 % Bioanteil Spitzenreiter – doch höhere Nachhaltigkeitsstandards stoßen häufig an enge Preisgrenzen.

Fazit

Für die DZG zeigen die Ergebnisse eines, Kita- und Schulverpflegung ist weit mehr als ein Randthema der Bildungspolitik – sie ist Wirtschaftsfaktor, Gesundheitsprävention und Kritische Infrastruktur zugleich. Ohne bundeseinheitliche Standards, auskömmliche Preise und eine stärkere politische Unterstützung der Kita- und Schulverpflegung drohen weitere Konsolidierung und sinkende Qualität – zulasten von rund sechs Millionen Kindern und Jugendlichen.

Weitere Publikationen

Alle Publikationen