{"id":6461,"date":"2024-02-01T10:38:06","date_gmt":"2024-02-01T09:38:06","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/?p=6461"},"modified":"2024-02-01T10:38:06","modified_gmt":"2024-02-01T09:38:06","slug":"evaluation-der-umsatzsteuer-kampagne-denkfabrik-sieht-deutlichenverbesserungsbedarf-bei-strategie-mobilisierung-und-tonalitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/2024\/02\/01\/evaluation-der-umsatzsteuer-kampagne-denkfabrik-sieht-deutlichenverbesserungsbedarf-bei-strategie-mobilisierung-und-tonalitaet\/","title":{"rendered":"Evaluation der Umsatzsteuer-Kampagne: Denkfabrik sieht deutlichen Verbesserungsbedarf bei Strategie, Mobilisierung und Tonalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p><em>DZG legt umfangreiche Analyse vor: Sieben Prozent w\u00e4ren auch kurzfristig noch m\u00f6glich gewesen \u2013 F\u00fcr n\u00e4chsten Versuch in 2026 professionelle Kampagnenstrukturen schaffen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Auslaufen der Umsatzsteuerreduzierung auf Speisen hat der Gastronomie zu Jahresbeginn einen weiteren Schlag versetzt. Dabei h\u00e4tte die Erh\u00f6hung auf 19 Prozent kurzfristig noch abgewendet werden k\u00f6nnen, so das Ergebnis einer neuen Analyse der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG). Hintergrund ist, dass der Bund das Haushaltsjahr 2023 mit einem Plus von 6,3 Milliarden abgeschlossen hat und dieser Betrag den Haushaltsausschuss am 18. Januar 2024 au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig zur Verf\u00fcgung stand. \u201eDamit w\u00e4ren sieben Prozent auf Speisen auch in diesem Jahr m\u00f6glich gewesen \u2013 und das trotz j\u00fcngstem Verfassungsgerichtsurteil. Leider hat die \u201aKrawall\u2019-Kommunikation aus einigen Branchenteilen im Dezember und Januar gegen\u00fcber der Ampel weiteres Porzellan verschlagen, so dass wir wieder nicht zum Zug kamen\u201c, erkl\u00e4rt DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge. F\u00fcr die k\u00fcnftige Lobbyarbeit sieht der ehemalige Bundestagsabgeordnete Verbesserungsbedarf bei Strategie, Mobilisierung und Tonalit\u00e4t: \u201eAuch wenn es zun\u00e4chst so aussieht, als h\u00e4tte die Gastronomie am Ende einfach Pech gehabt, kommen auf den zweiten Blick eigene Fehler und sp\u00e4tes Handeln zum Vorschein, die einen Erfolg unn\u00f6tig schwer gemacht haben.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund, dass der Steuersatz auf Speisen Anfang 2024 wieder auf 19 Prozent anstieg, hat die Denkfabrik die Umsatzsteuerkampagne des vergangenen Jahres umfassend evaluiert und eine Reihe von Handlungsempfehlungen und Verbesserungsvorschl\u00e4gen ausgearbeitet. \u201eWenn der Hospitality schmerzhaft einige Milliarden Euro verloren gehen, sollten wir nicht einfach zur Tagesordnung \u00fcbergehen, sondern m\u00fcssen \u2013 wie in jedem Unternehmen \u2013 die eigenen Aktivit\u00e4ten kritisch reflektieren und aus Fehlern lernen. Denn eines steht fest: Landwirte und Lufthansa haben in den vergangenen Wochen bewiesen, dass sie (mit unterschiedlichen Strategien) kurzfristig finanzrelevante Lobbyerfolge erzielen konnten, w\u00e4hrend die Gastronomie mal wieder mit leeren H\u00e4nden dasteht\u201c, so Klinge.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ung\u00fcnstige Ausgangsbedingungen f\u00fcr \u201eDauerentfristung\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>In einem ersten Analyseschritt haben sich die DZG-Experten die Ausgangslage der Kampagne genauer angeschaut und kommen mit Blick auf den politischen und haush\u00e4lterischen Gesamtrahmen zu dem Schluss, dass das Ziel, die Umsatzsteuer auf Speisen von einer tempor\u00e4ren Krisenhilfe in eine dauerhafte Unterst\u00fctzung der Gastronomie zu \u00fcberf\u00fchren, von Beginn an schwer zu erreichen war. \u201eAus heutiger Sicht beziffern wir die Chancen, dieses Anliegen erfolgreich umzusetzen, auf unter zehn Prozent. Das hei\u00dft, dass es im vergangenen Jahr de facto kein realistisches Szenario gab, eine dauerhafte Reduzierung umzusetzen, solange die Ampel-Parteien das Thema intern nicht h\u00f6her priorisieren. Warum haben wir in dann aber alles auf diese eine Karte gesetzt\u201c, fragt der Denkfabrik-Sprecher.<\/p>\n\n\n\n<p>Der immer wieder \u201eleise\u201c diskutierte Alternativvorschlag, zehn Prozent auf alle Speisen, h\u00e4tte aus DZG-Sicht ab Sommer 2023 eine neue positive Dynamik entfachen und der Ampel branchenseitig ein konstruktives Entgegenkommen signalisieren k\u00f6nnen. \u201e\u201aAlles-oder-Nichts-Strategien sind in der Politik selten eine gute Idee. Au\u00dferdem liegt der \u2013 gerne angef\u00fchrte \u2013 Umsatzsteuersatz auf Speisen in der EU bei \u00fcber elf Prozent im Schnitt. Da auch Politiker rechnen k\u00f6nnen und diese Daten bekannt waren, hat uns die Maximalforderung von dauerhaft sieben Prozent argumentativ immer wieder in die Defensive gebracht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zu schwache Mobilisierung auf Bundesebene<\/h2>\n\n\n\n<p>Laut Analyse kr\u00e4nkelte die Umsatzsteuer-Kampagne auch an einer schlechten Mobilisierung auf Bundesebene. \u201ePositiv war, dass insbesondere die DEHOGA-Landesverb\u00e4nde kontinuierlichen Druck auf die Abgeordneten in den jeweiligen Wahlkreisen ausge\u00fcbt und damit ein grunds\u00e4tzliches Verst\u00e4ndnis und weitgehende Zustimmung f\u00fcr eine m\u00f6gliche Verl\u00e4ngerung der Umsatzsteuer-Reduzierung erreicht haben. Auch gelang es, viele St\u00e4dte und Kommunen sowie einige Landesregierungen f\u00fcr unser Thema zu aktivieren. Im politischen Berlin und in den sozialen Medien gelang das hingegen nur unzureichend. Wenn zu wichtigen Demonstrationen gerade einmal 150 Menschen kommen, sollte uns das alle zum Nachdenken bringen\u201c, bilanziert Klinge. Erschwerend war es offenbar nicht m\u00f6glich, fr\u00fchzeitig ein breites B\u00fcndnis der im Lobbyregister registrierten 82 Gastwelt-Organisationen und 29 Gastwelt-Unternehmen zu schmieden. Eine solche \u201eKoalition\u201c sei aber zwingend notwendig, um ausreichend politischen Handlungsdruck im Bund zu erzeugen, betonen die Autoren des Papiers.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">N\u00e4chste Chance auf Umsetzung in 2026<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie geht es nun weiter? Klinge formuliert es so: \u201eDer n\u00e4chste realistische Anlauf, Mehrheiten f\u00fcr eine (dauerhafte) Umsatzsteuersenkung auf Speisen zu erhalten, ist aus unserer Sicht Januar 2026, also nach der n\u00e4chsten regul\u00e4ren Bundestagswahl. Dazu ist es notwendig, nun ausreichend finanzielle wie organisatorische Ressourcen in einer eigenst\u00e4ndigen Kampagnenorganisation zu b\u00fcndeln und dieses Projekt im zweiten Quartal 2024 zu starten. In einem ersten Schritt m\u00fcssen wir gezielt daran arbeiten, das Umsatzsteuer-Thema endlich in die Wahlprogramme von CDU\/CSU, SPD und FDP zu bringen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Politikexperte pl\u00e4diert au\u00dferdem f\u00fcr einen anderen Umgangston: \u201eMit der j\u00fcngsten Krawall-Kommunikation erreichen wir nichts, auch wenn es manchmal schwierig f\u00e4llt, ruhig zu bleiben. Die Regierung ist nicht unser Gegner, sondern ein Verb\u00fcndeter, den wir \u00fcberzeugen und von unseren Anliegen begeistern m\u00fcssen. Die Gastronomie braucht f\u00fcr 2026 daher jetzt einen neuen Plan, den Schulterschluss aller relevanten Akteure auf Augenh\u00f6he und modernere Kampagnenstrukturen\u201c, betont Klinge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Evaluierung der Umsatzsteuerkampagne 2023 (PDF-Datei) erhalten Sie kostenfrei \u00fcber folgenden Link:<\/strong><\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DZG legt umfangreiche Analyse vor: Sieben Prozent w\u00e4ren auch kurzfristig noch m\u00f6glich gewesen \u2013 F\u00fcr n\u00e4chsten Versuch in 2026 professionelle Kampagnenstrukturen schaffen Das Auslaufen der Umsatzsteuerreduzierung auf Speisen hat der Gastronomie zu Jahresbeginn einen weiteren Schlag versetzt. 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