{"id":4696,"date":"2023-06-12T14:38:51","date_gmt":"2023-06-12T12:38:51","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/?p=4696"},"modified":"2023-06-12T14:38:51","modified_gmt":"2023-06-12T12:38:51","slug":"gastwelt-lobby-in-berlin-vielfaeltig-fragmentiert-und-verbandsseitig-nur-bedingt-wettbewerbsfaehig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/2023\/06\/12\/gastwelt-lobby-in-berlin-vielfaeltig-fragmentiert-und-verbandsseitig-nur-bedingt-wettbewerbsfaehig\/","title":{"rendered":"Gastwelt-Lobby in Berlin: Vielf\u00e4ltig, fragmentiert und verbandsseitig nur bedingt wettbewerbsf\u00e4hig"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Deutsche Bundestag hat Anfang 2022 zur Verbesserung der politischen Transparenz ein zentrales Lobbyregister eingef\u00fchrt, in das sich mit wenigen Ausnahmen alle Interessenvertreter eintragen m\u00fcssen. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) hat das Register in den vergangenen drei Monaten f\u00fcr die Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie (360\u00b0 Gastwelt) analysiert und viele interessante Erkenntnisse zur Struktur und Finanzausstattung der Gastwelt-Lobby gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/DZG_Tabellen_Lobbyregister_20231019.png\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4698\" src=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/DZG_Tabellen_Lobbyregister_20231019-1024x724.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4698\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/DZG_Tabellen_Lobbyregister_2023519.png\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4699\" src=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/DZG_Tabellen_Lobbyregister_2023519-1024x724.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4699\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/DZG_Tabellen_Lobbyregister_2023619.png\"><img decoding=\"async\" data-id=\"4700\" src=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/DZG_Tabellen_Lobbyregister_2023619-1024x724.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4700\"\/><\/a><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eUnsere Ad-Hoc Analyse konzentriert sich in einem ersten Schritt darauf, eine qualitative Bestandsaufnahme aller eingetragenen Akteure (Verb\u00e4nde, Organisationen, NGOs, Thinktanks, Unternehmen) vorzunehmen. Um die erfassten Zahlen einzuordnen, wurden in einem zweiten Schritt die wichtigsten Kennziffern drei weiterer Referenz-Branchen ermittelt und dann der Gastwelt beispielhaft gegen\u00fcbergestellt. Es handelt sich hierbei um das Handwerk, die Versicherungswirtschaft und die Automobilindustrie\u201c,<\/em> erkl\u00e4rt Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die DZG-Auswertung identifiziert 80 verschiedene Verb\u00e4nde\/Organisationen, einen Dachverband sowie eine aktive politische Denkfabrik. Hinzukommen weitere 29 Unternehmen, die in der Bundeshauptstadt Lobbyarbeit betreiben. <em>\u201eIn Summe sind damit 111 Akteure f\u00fcr die Gastwelt in Berlin unterwegs. In meiner Zeit als Bundestagsabgeordneter von 2017 bis 2021 hatte ich vielleicht Kontakt mit 20 bis 25 Verb\u00e4nden und zehn Unternehmen. Deswegen hat uns die hohe Zahl von \u00fcber 110 eingetragenen Lobbyakteuren am Ende doch \u00fcberrascht\u201c,<\/em> so Klinge weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihrer Analyse kommt die Denkfabrik zu drei zentralen Erkenntnissen: Die Auswertung des Registers zeichnet (1) verbandsseitig ein facettenreiches Bild: Die inhaltliche Bandbreite der eingetragenen Verb\u00e4nde und Organisationen ist hoch, die Arbeitsprofile teils sehr unterschiedlich. Mit insgesamt 82 Akteuren (inklusive Dachverband und Denkfabrik) stellt die DZG-Untersuchung folglich auch einen hohen Fragmentierungsgrad fest.<em> \u201eDie ausgewerteten Daten deuten au\u00dferdem darauf hin, dass die Finanzmittel der Verb\u00e4nde auf niedrigem Niveau limitiert sind. Sieben von 82 Akteuren geben sogar null Euro pro Jahr f\u00fcr Interessensvertretung aus. In diesen F\u00e4llen wird wohl komplett ehrenamtlich gearbeitet. Weitere elf Akteure geben gar keine Zahlen an \u201c,<\/em> f\u00fchrt Co-Vorstand Alexander Aisenbrey aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Unternehmensseite sei die Anzahl mit 29 verschiedenen Akteuren zwar nicht auf dem Fragmentierungs-Niveau der Verb\u00e4nde, aber dennoch nicht unerheblich. Aisenbrey: \u201eAuff\u00e4llig ist, dass die Gastwelt-Unternehmen in Summe signifikant mehr Geld f\u00fcr Interessensvertretung (8,8 Mio.\/Jahr) zur Verf\u00fcgung haben als die Verb\u00e4nde (5,1 Mio.\/Jahr). Hier liegt der Faktor bei 1,7. Die Mitarbeiterausgaben der Verb\u00e4nde im Bereich Interessensvertretung sind im Schnitt bis zu vier Mal niedriger als bei den Unternehmen. Dies l\u00e4sst auf eine h\u00f6here Teilzeitquote und ein geringeres Entlohnungsniveau schlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verbandsseitig ist die 360\u00b0 Gastwelt (2) bei fast allen Schl\u00fcsselkennzahlen schlechter finanziert als die drei Referenzbranchen \u2013 und das teils erheblich. Bei den Ausgaben der Top 5 Verb\u00e4nde (also die Organisationen mit den jeweils h\u00f6chsten absoluten Lobby-Ausgaben) liegt das Handwerk mit rund 10 Mio.\/Jahr auf Platz 1, gefolgt von der Automobilindustrie (4 Mio.\/Jahr), der Versicherungswirtschaft (3,3 Mio.\/Jahr) und der Gastwelt (2,6 Mio.\/Jahr). In der Spitze ist das ein Faktor von 3,8. Ein \u00e4hnliches Bild zeichnet sich bei den Besch\u00e4ftigtenzahlen ab: Auch hier liegt die Gastwelt (Top 5 Verb\u00e4nde) mit 55 Mitarbeitenden deutlich hinter der Automobilindustrie (85), der Versicherungswirtschaft (85) und dem Handwerk (145). Der Anteil der Lobby-Ausgaben variiert bei den TOP 5 Gastwelt-Verb\u00e4nden zwischen rund 15,8 Prozent (BDL), 19,6 Prozent (DRV), 20,5 Prozent (DEHOGA Bundesverband), 43,7 Prozent (BDB) und 49,5 Prozent (IHA).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den Unternehmensausgaben steht die Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie mit 6,8 Mio.\/Jahr hingegen auf Platz 2 im Top-5-Vergleich, direkt nach der Automobilindustrie, deren Konzerne 16,7 Mio.\/Jahr investieren. In der Versicherungsbranche liegen die Ausgaben f\u00fcr Lobbyarbeit bei 5,1 Mio.\/Jahr, beim Handwerk bei 2,6 Mio.\/Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders eklatant sind die Finanzierungsunterschiede (3) im Vergleich der Dachverb\u00e4nde. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) gab im Corona-Spitzenjahr 2021 nach eigenen Angaben zwischen 160.001 bis 170.000 Euro f\u00fcr Lobbyarbeit aus. Alle drei Referenz-Dachverb\u00e4nde spielen hier in einer vollkommen anderen Liga. Dem VDA (Automobil) standen 4,4 Mio. Euro, dem GDV (Versicherung) 15 Mio. Euro und dem ZDH (Handwerk) 1,8 Mio. Euro zur Verf\u00fcgung. Das hei\u00dft, dass die Referenz-Dachverb\u00e4nde elf bis 91 Mal mehr Finanzmittel einsetzten als der BTW. <em>\u201eAuf Dachverbands-Ebene ist die Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie \u2013 zumindest im vorgenommenen Vergleich \u2013 weder finanziell und personell konkurrenzf\u00e4hig. Hier liegt aus unserer Sicht die gr\u00f6\u00dfte strukturelle Baustelle. Daneben ben\u00f6tigen auch die einzelnen Fachverb\u00e4nde in Summe mehr Finanzmittel, um ihre notwendigen Lobbyaktivit\u00e4ten professionell umsetzen zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig ist aus unserer Sicht eine Debatte \u00fcber eine intensivere Zusammenarbeit und Vernetzung aller Verbandsakteure notwendig, um zus\u00e4tzliche Synergieeffekte zu erzielen\u201c,<\/em> so Vorstandssprecher Klinge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die durchgef\u00fchrte Lobbyregister-Untersuchung erhebt nicht den Anspruch, eine voll umfassende Auswertung zu sein, da dies aufgrund des besonderen Registeraufbaus per se nicht m\u00f6glich ist. Es handelt sich hierbei vielmehr um eine kursorische \u00dcbersicht aller Gastwelt-Lobbyaktivit\u00e4ten in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vollst\u00e4ndige Analyse mit weiteren Zahlen, Daten und Fakten <a href=\"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/studie-lobbyregister\/\">kann kostenfrei hier abgerufen werden.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Deutsche Bundestag hat Anfang 2022 zur Verbesserung der politischen Transparenz ein zentrales Lobbyregister eingef\u00fchrt, in das sich mit wenigen Ausnahmen alle Interessenvertreter eintragen m\u00fcssen. 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