{"id":12187,"date":"2025-03-11T11:00:10","date_gmt":"2025-03-11T10:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/?p=12187"},"modified":"2025-03-11T11:00:10","modified_gmt":"2025-03-11T10:00:10","slug":"gastwelt-ist-fuer-junge-menschen-ohne-abschluss-ein-game-changer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/2025\/03\/11\/gastwelt-ist-fuer-junge-menschen-ohne-abschluss-ein-game-changer\/","title":{"rendered":"Gastwelt ist f\u00fcr junge Menschen ohne Abschluss ein \u201eGame-Changer\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Studie des Fraunhofer IAO zeigt auf, dass sich der Dienstleistungssektor wie kein anderer anbietet, Geringqualifizierte in Arbeit zu bringen \u2013 Regierung soll Weiterbildung &amp; Ausbildungspl\u00e4tze st\u00e4rker f\u00f6rdern<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Thema Integration bestimmt seit Monaten die innenpolitischen Debatten in Deutschland. Erfolgreiche Integration ist jedoch vielschichtig und begrenzt sich arbeitsmarktpolitisch nicht nur auf Migranten und Fl\u00fcchtlinge, sondern ist auch f\u00fcr die Gruppe junger Menschen ohne Berufsabschluss besonders relevant. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Auftrag der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG). Die Wissenschaftler zeigen auf, dass die&nbsp;<\/strong><strong>Gastwelt&nbsp;<\/strong><strong>der \u201eIntegrationsmotor\u201c in Deutschland ist: Die 250.000 Betriebe des Dienstleistungssektors bringen nicht nur Migranten schnell und niederschwellig in Lohn und Brot, sondern erm\u00f6glichen auch geringqualifizierten jungen Menschen die M\u00f6glichkeit, einen dauerhaften Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen. Und bei ihnen handelt es sich keineswegs um eine Randgruppe: Sage und schreibe jeder f\u00fcnfte junge Erwachsene z\u00e4hlt dazu.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In absoluten Zahlen ausgedr\u00fcckt: Hierzulande gibt es knapp drei Millionen Ungelernte zwischen 20 und 35 Jahren, Tendenz steigend. 2018 machten sie noch weniger als 15 Prozent ihrer Altersjahrg\u00e4nge aus, 2022 bereits \u00fcber 19 Prozent, wie aus dem Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung hervorgeht. \u201eDas bedeutet, dass die Gruppe der ungelernten jungen Menschen l\u00e4ngst ein immenses Potenzial f\u00fcr unseren Arbeitsmarkt darstellt. Ein Schatz, der darauf wartet, gehoben zu werden\u201c, so DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Voraussetzung sei, dass die neue Bundesregierung f\u00fcr diese quantitativ sehr gro\u00dfe Gruppe neue und breitangelegte F\u00f6rderma\u00dfnahmen einleite, um dem konjunktursch\u00e4dlichen Arbeitskr\u00e4ftemangel entgegenzuwirken und den betreffenden Menschen positive Zukunftsaussichten zu geben. Immerhin ist derzeit jeder Zehnte unter 25 Jahren ohne Job. Dass die Bundesrepublik im Zuge des demografischen Wandels gut qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte ben\u00f6tigt, ist unstrittig: Die Personall\u00fccken, die sich in allen Wirtschaftszweigen mit dem R\u00fcckzug der geburtenstarken Jahrg\u00e4nge mehr und mehr auftun, gef\u00e4hrden langfristig Wertsch\u00f6pfung und Steuereinnahmen. Aufgrund der Tatsache, dass laut Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) j\u00e4hrlich mehr als 400.000 Personen einreisen m\u00fcssten, um den Fach- und Arbeitskr\u00e4ftemangel national zu kompensieren und die Wirtschaft insgesamt am Laufen zu halten, kann auf diese drei Millionen Ungelernten unter 35 auf keinen Fall weiter verzichten werden, so die Studie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Geringqualifizierte sind bereits da und werden langfristig gebraucht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geringqualifizierte junge Menschen haben gegen\u00fcber Migranten einen un\u00fcbersehbaren Vorteil: Sie sind bereits im Land, w\u00e4hrend viele Zuwanderer, die dringend gebraucht w\u00fcrden, z\u00f6gern und auf der Suche nach Arbeit nicht selten andere Einwanderungsl\u00e4nder bevorzugen. Die Bundesrepublik ist unattraktiv, liegt im OECD-Vergleich bei der Fachkr\u00e4fte-Attraktivit\u00e4t lediglich auf Platz 15. \u201eDie gezielte Aus- und Weiterbildung von geringqualifizierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen bietet erhebliches Potenzial, um den Arbeits- und Fachkr\u00e4ftemangel in Deutschland effektiv zu mildern\u201c, sagt Professorin Dr. Vanessa Borkmann, Leiterin des Forschungsbereichs \u201eStadtsystem-Gestaltung\u201c am Fraunhofer IAO und verantwortlich f\u00fcr die Studie \u201eIntegrationsmotor Gastwelt\u201c. \u201eGelingt es uns, einen Gro\u00dfteil dieser Gruppe zeitnah zu qualifizieren und dauerhaft in Arbeit zu bringen, ist das ein unsch\u00e4tzbarer Beitrag, um unsere umlagefinanzierten Sozialsysteme und die Lohnnebenkosten zu stabilisieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Noch zu wenig staatliche F\u00f6rderung in Deutschland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch diese M\u00f6glichkeiten w\u00fcrden bislang nicht richtig ausgesch\u00f6pft, da berufliche Weiterbildung und die Schaffung von Ausbildungspl\u00e4tzen bis dato unzureichend gef\u00f6rdert werden. \u201eDas muss nun eine vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung werden\u201c, unterstreicht DZG-Sprecher Klinge. Vor Corona hat z.B. jeder zweite deutsche Betrieb Fort- und Weiterbildungsma\u00dfnahmen unterst\u00fctzt. Doch mit Beginn der Pandemie ist dieser Bereich \u2013 vor allem aus Kostengr\u00fcnden \u2013 r\u00fcckl\u00e4ufig. Gleichwohl braucht es eine gezielte Aus- und Weiterbildung f\u00fcr geringqualifizierter Menschen. Den Grund macht eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung anschaulich: Sie sagt aus, dass vor allem die hohen Kosten ein entscheidender Faktor sind, weshalb Geringqualifizierte kaum Weiterbildungen in Anspruch nehmen. Zudem fehlt es ihnen vielfach an Informationen \u00fcber m\u00f6gliche Angebote. Klinge: \u201eSoziale Medien wie TikTok und Instagram k\u00f6nnten uns hier sp\u00fcrbar weiterhelfen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00f6here staatliche Investitionen in Bildung, Ausbildung, Training und Weiterqualifizierung k\u00f6nnten also zum \u201eGame-Changer\u201c werden, um Menschen unter 35 ohne Abschluss erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren \u2013 mit vielen finanziellen Vorteilen f\u00fcr den Steuerzahler. Solange diese F\u00f6rderung aber zu kurz komme, st\u00fcnden viele geringqualifizierte Junge, die in der Regel \u00fcber ein geringes Einkommen verf\u00fcgen, vor einer un\u00fcberwindlichen strukturellen Barriere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deutschland in Sachen Weiterbildung international schwach aufgestellt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nicht nur bei der schnellen Integration von Zuwanderern, sondern auch bei der Weiterbildung Geringqualifizierter schneidet Deutschland im internationalen Vergleich eher schlecht ab \u2013 sowohl in Bezug auf die Teilnahmequote als auch auf das Lohn- und Kompetenzniveau. Wenig \u00fcberraschend machen es auch hier andere L\u00e4nder besser: Schweden oder Kanada k\u00f6nnen als Musterbeispiele gelten, an denen sich die deutsche Politik orientieren k\u00f6nnte. So setzen die Skandinavier auf Lohnsubventionen f\u00fcr Arbeitgeber, die geringqualifizierte Jugendliche und junge Erwachsene einstellen. Die Kanadier legen Programme auf, die auf die Kombination von praktischer Arbeitserfahrung und Ausbildung abzielen, um die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit junger Menschen zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gastwelt-Unterst\u00fctzung verspricht schnelle Investitionserfolge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Bundesregierung w\u00e4re arbeitsmarkt- und finanzpolitisch also gut beraten, \u00e4hnliche Programme umzusetzen\u201c, sagt DZG-Sprecher Klinge. Angesichts von derzeit \u00fcber 100.000 Arbeitskr\u00e4ften, die allein in der Gastwelt fehlen, sei durchaus Eile geboten. So geht das Fraunhofer IAO davon aus, dass sich die Arbeitskr\u00e4ftel\u00fccke bis Anfang der 2030er-Jahre auf bis zu 600.000 fehlende Besch\u00e4ftigen erh\u00f6hen wird. Wissenschaftlerin Borkmann pl\u00e4diert daher daf\u00fcr, bei der Implementierung von Integrations- und Weiterbildungsprogrammen sowie der Ausbildung Ungelernter konsequent auf die Gastwelt zu setzen. \u201eAuch hier fungiert der Dienstleistungssektor als effektiver Integrationsmotor\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzliche staatliche Investitionen in diesen Bereichen sollten sich indes schnell auszahlen. Was daran liegt, dass knapp ein Viertel der aktuell offenen Stellen der Gastwelt \u201eohne Weiteres\u201c in einem ersten Schritt durch geringqualifizierte Personen besetzt werden k\u00f6nnen. Damit w\u00e4re indirekt auch strauchelnden Betrieben geholfen, durch neues Personal ihr Gesch\u00e4ft zu stabilisieren. Das unterstreicht auch eine Umfrage unter 750 Entscheidern, die das Fraunhofer IAO im Zuge seiner Studie \u201eIntegrationsmotor Gastwelt\u201c vorgenommen hat: Hier stuften deutlich mehr als die H\u00e4lfte der befragten F\u00fchrungskr\u00e4fte die Integration Geringqualifizierter f\u00fcr den betrieblichen Erfolg als \u201esehr wichtig\u201c oder \u201ewichtig\u201c ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie des Fraunhofer IAO zeigt auf, dass sich der Dienstleistungssektor wie kein anderer anbietet, Geringqualifizierte in Arbeit zu bringen \u2013 Regierung soll Weiterbildung &amp; Ausbildungspl\u00e4tze st\u00e4rker f\u00f6rdern Das Thema Integration bestimmt seit Monaten die innenpolitischen Debatten in Deutschland. 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