{"id":11117,"date":"2024-11-15T15:00:52","date_gmt":"2024-11-15T14:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/?p=11117"},"modified":"2024-11-15T15:00:52","modified_gmt":"2024-11-15T14:00:52","slug":"dzg-auslaendische-arbeitskraefte-bringen-deutschland-geld-wenn-die-politik-das-zulaesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zukunft-gastwelt.de\/newsroom\/2024\/11\/15\/dzg-auslaendische-arbeitskraefte-bringen-deutschland-geld-wenn-die-politik-das-zulaesst\/","title":{"rendered":"Ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte bringen Deutschland Geld, wenn die Politik das zul\u00e4sst"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eine neue Studie des Fraunhofer IAO zeigt auf, wie der Dienstleistungssektor Gastwelt hilft, unsere Sozialsysteme effektiv zu entlasten \u2013 und was er zus\u00e4tzlich leisten kann, wenn der Rahmen daf\u00fcr stimmt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><strong>Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 ist Migration ein gro\u00dfes Reizthema. Vorurteile haben sich in der Gesellschaft verfestigt, die Themenbereiche \u201eFl\u00fcchtlinge\u201c und \u201equalifizierte Arbeitskr\u00e4ftezuwanderung\u201c werden in der \u00f6ffentlichen Debatte oft vermischt. Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Auftrag der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) zeigt aber auf: Wenn die Eingliederung von Menschen aus dem Ausland in den Arbeitsmarkt schnell und unkompliziert gelingt, st\u00e4rkt sie dauerhaft unser Sozialsystem und sichert den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Als zentraler Baustein einer L\u00f6sung, wie Zuwanderer effektiver in Lohn und Brot gebracht werden, dr\u00e4ngt sich die Gastwelt geradezu auf: sie ist Deutschlands wichtigster \u201eIntegrationsmotor\u201c. Doch dieser darf durch fehlende politische Unterst\u00fctzung und wachsender B\u00fcrokratie nicht ins Stocken geraten.\u00a0<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht der Fraunhofer-Expertinnen ist klar: Die erfolgreiche Integration von Zuwanderern in der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice &amp; Freizeitwirtschaft) hat \u2013 vor allem mit Blick auf die demografische Entwicklung \u2013 sp\u00fcrbare positive Auswirkungen auf die Sozialsysteme und tr\u00e4gt damit ma\u00dfgeblich zum Erhalt gesellschaftlicher Stabilit\u00e4t in Deutschland bei. Die Voraussetzung daf\u00fcr: Es muss schneller und einfacher als bisher m\u00f6glich sein, Migranten in den hiesigen Arbeitsmarkt einzubinden. Die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen liegen dabei in der Anerkennung ausl\u00e4ndischer Qualifikationen und in bestehenden Sprachbarrieren. Hier muss die Politik deutlich mehr tun, um die Betriebe vor Ort gezielt zu unterst\u00fctzen, so eine zentrale Erkenntnis der Studie, in der 750 F\u00fchrungskr\u00e4fte aus der Gastwelt befragt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deutschland braucht ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte, um seinen Wohlstand zu erhalten<\/strong>Die Bundesrepublik braucht ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte dringender denn je: Gelingt es nicht, die Personall\u00fccken zu schlie\u00dfen, m\u00fcssen n\u00e4mlich viele Unternehmen \u2013 vor allem im l\u00e4ndlichen Raum \u2013 aufgeben. Pro Jahr sind laut Bundesagentur<strong>\u00a0<\/strong>f\u00fcr Arbeit (BA) mehr als 400.000 Einwanderer erforderlich, um den Fach- und Arbeitskr\u00e4ftemangel zu kompensieren und die deutsche Wirtschaft insgesamt am Laufen zu\u00a0halten. Allerdings kommen derzeit zu wenige qualifizierte Migranten nach Deutschland, auch weil unser Land f\u00fcr viele internationale Talente aktuell nicht sehr weit oben auf der Liste steht. Im OECD-Vergleich rangiert die Bundesrepublik bei der Fachkr\u00e4fte-Attraktivit\u00e4t 2023 \u201enur\u201c noch auf Platz 15 (2019: Platz 12). Auf der anderen Seite gibt es bei den Menschen ausl\u00e4ndischer Herkunft, die bereits l\u00e4nger im Land leben, vor allem unter den Gefl\u00fcchteten, betr\u00e4chtliches Arbeitsmarktpotenzial. Deren Besch\u00e4ftigungsquote liegt aktuell bei \u201elediglich 70 Prozent\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Professorin Dr. Vanessa Borkmann, Leiterin des Forschungsbereichs \u201eStadtsystem-Gestaltung\u201c am Fraunhofer IAO und Autorin der Studie, umrei\u00dft den akuten Handlungsbedarf: \u201eMit Jedem, den wir in eine Besch\u00e4ftigung bringen, entlasten wir die Sozialsysteme und st\u00e4rken unsere Volkswirtschaft. Ihr besonderes Augenmerk sollte die Politik daher auf die spezifischen Bed\u00fcrfnisse der Gastwelt richten, die in Sachen Integration besonders effektiv unterwegs ist.\u201c DZG-Vorstandschef Dr. Marcel Klinge bringt das aktuelle Problem auf den Punkt: Wir brauchen mehr qualifizierte Zuwanderung, um den Wohlstand in unserer immer \u00e4lter werdenden Gesellschaft dauerhaft zu sichern. Aber wir wissen diesen Hebel aktuell noch nicht richtig zu nutzen. Wenn wir als Land Menschen aus dem Ausland deutlich schneller und effektiver integrieren, kosten uns Migranten keine zig Milliarden, wie in der \u00f6ffentlichen Debatte oftmals pauschal unterstellt, sondern bringen unserer Volkswirtschaft zus\u00e4tzliches Wachstum und dem Staat dringend ben\u00f6tige Steuereinnahmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Personall\u00fccke kostet Wertsch\u00f6pfung und Steuereinnahmen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Einsch\u00e4tzung belegen auch aktuelle Zahlen des Fraunhofer IAO in der Studie: So haben im gr\u00f6\u00dften Gastwelt-Sektor, der Hospitality (Gastgewerbe), \u00fcber 40 Prozent der Besch\u00e4ftigten eine Einwanderungsgeschichte, in der Gesamtwirtschaft trifft das lediglich auf 15 Prozent zu. W\u00e4hrend die Gastwelt an der direkten Besch\u00e4ftigung bundesweit einen Anteil von sechs bis sieben Prozent ausmacht, arbeiten hier bereits zw\u00f6lf Prozent der Gefl\u00fcchteten, die sich derzeit in Deutschland aufhalten. Das sind knapp 150.000 Personen, die nicht mehr auf soziale Sicherung angewiesen sind, weil sie ein eigenes Einkommen erzielen. F\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand bedeute dies Einsparungen von monatlich rund 150 Millionen Euro oder rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr, so eine Beispielrechnung des IAO.Doch diese Menschen reichen nicht aus, um eine Personall\u00fccke zu schlie\u00dfen, die sich um Zuge des demografischen Wandels stetig vergr\u00f6\u00dfert und zwangsl\u00e4ufig die Wertsch\u00f6pfung des Dienstleistungssektors und damit die Steuereinnahmen des Staates mindert \u2013 weshalb es nahe liegt, die Betriebe der\u00a0Gastwelt wirtschaftspolitisch zu stabilisieren und besser zu unterst\u00fctzten. Tats\u00e4chlich fehlten dem gesamten Dienstleistungssektor aktuell zwischen 120.000 bis 145.000 Arbeitskr\u00e4fte, allein in der Hospitality sind es mindestens 65.000 Mitarbeitende. Das Fraunhofer IAO geht davon aus, dass sich der Mangel mit dem R\u00fcckzug der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt bis Anfang der 2030er-Jahre auf bis zu 600.000 fehlende Besch\u00e4ftigen erh\u00f6hen k\u00f6nnte. Das bedeutet: Die Gastwelt braucht unbedingt bessere M\u00f6glichkeiten, Gefl\u00fcchtete und Zuwanderer schnell und effizient einzubinden. Und sie braucht mehr Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland. Ein Mitarbeitender erwirtschaftet z.B. im Gastgewerbe durchschnittlich 35.000 Euro pro Jahr an Bruttowertsch\u00f6pfung. Bei den 65.000 unbesetzten Stellen allein in diesem Teilsektor der Gastwelt gehen Deutschland pro Jahr rechnerisch 2,3 Milliarden Euro an zus\u00e4tzlicher Wertsch\u00f6pfung verloren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beschleunigte Anerkennungsverfahren und mehr berufliche Sprachkurse&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ausland erworbene Qualifikationen werden h\u00e4ufig nicht oder erst mit langen Verz\u00f6gerungen anerkennt. Entsprechende Verfahren dauern monatelang. Dass es schneller geht, zeigt sich am Beispiel anderer Sektoren wie etwa der Pflegebranche. F\u00fcr Verz\u00f6gerungen auf dem Weg in eine Besch\u00e4ftigung sorgt immer wie-der auch die Bearbeitungszeit f\u00fcr Arbeitsvisa und Arbeitserlaubnisse f\u00fcr Nicht-EU-B\u00fcrger. Dieses Schneckentempo raubt Arbeitgebern nicht nur Zeit und Geld, sondern kostet letztlich auch den Fiskus Steuereinnahmen in beachtlicher H\u00f6he: Bei einer Verz\u00f6gerung von sechs Monaten, in denen eine Arbeitskraft ein monatliches Bruttogehalt von 2.800 Euro verdienen k\u00f6nnte, verliert ein Unternehmen z.B. 16.800 Euro an Produktivit\u00e4t. Falls die betreffende Person stattdessen sechs Monate Arbeitslosengeld bezieht, entstehen weitere Pro-Kopf-Kosten mindestens von 7.200 Euro f\u00fcr den Staat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem braucht es, so die Fraunhofer-Expertinnen, bezahlte berufsorientierte Sprachf\u00f6rderprogramme, Weiterbildungs- und Beratungsangebote sowie Hilfestellung f\u00fcr Zuwanderer bei der Navigation durch Beh\u00f6rden und bei ausl\u00e4nderrechtlichen Fragen. Wichtig f\u00fcr die Betriebe der Gastwelt w\u00e4re au\u00dferdem eine Reform des Arbeitszeitgesetzes, die es den Betrieben erm\u00f6glichen w\u00fcrde, Teilzeit- und Schichtmodelle umzusetzen \u2013 eine M\u00f6glichkeit, die helfen k\u00f6nnte, weitere Arbeitskr\u00e4fte zu mobilisieren, vor allem im Bereich der M\u00fctter mit Migrationshintergrund \u2013 flexible Arbeitszeiten erm\u00f6glichen es gerade auch diesen, Familie und Job unter einen Hut zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unternehmen brauchen mehr Beinfreiheit und ein neuer Integrationsfonds w\u00fcrde helfen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Parteien in Berlin sollten endlich erkennen, welch gro\u00dfes Integrationspotenzial unser Dienstleistungssektor besitzt, und diesen Hebel aktiv nutzen. Denn die Gastwelt kann noch mehr tun, wenn&nbsp;die Politik endlich einen entsprechenden Rahmen daf\u00fcr setzt und uns mehr Beinfreiheit in der Praxis l\u00e4sst\u201c, so DZG-Vorstandschef Klinge. Er macht sich f\u00fcr eine systematische Integration stark, wie sie in L\u00e4ndern stattfindet, die mit Deutschland im internationalen Wettbewerb um Arbeitskr\u00e4fte stehen und f\u00fcr Migranten als attraktivere Gastl\u00e4nder gelten. Wie etwa \u00d6sterreich oder Kanada, die beide jeweils ein Integrationsjahr f\u00fcr Gefl\u00fcchtete anbieten. Unsere \u00f6sterreichischen Nachbarn wissen um die Bedeutung der Aufgabe: Sie haben, um Sprachkurse und Arbeitsmarktintegration zu finanzieren, eigens einen Integrationsfonds aufgelegt. \u201eDiesen sollten wir in \u00e4hnlicher Form auch in Deutschland einf\u00fchren. Die staatlichen Mittel daf\u00fcr w\u00e4ren am Ende eine gute Investition\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie wurde dank der freundlichen Unterst\u00fctzung folgender DZG-Partner umgesetzt:&nbsp;<strong>METRO<\/strong>&nbsp;(Foodservice),&nbsp;<strong>HGK<\/strong>&nbsp;Hotel- und Gastronomie-Kauf eG (Foodservice),&nbsp;<strong>Shiji<\/strong>&nbsp;(Hospitality) und&nbsp;<strong>Dorint<\/strong>&nbsp;(Hospitality).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf die erste Schwerpunkt-Gruppe der Studie, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Fl\u00fcchtlinge. Alle Erkenntnisse zur zweiten Fokus-Gruppe, n\u00e4mlich junge Menschen ohne Berufsabschluss in Deutschland (knapp drei Millionen Personen), werden am 14. Januar 2025 separat vorgestellt.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Studie des Fraunhofer IAO zeigt auf, wie der Dienstleistungssektor Gastwelt hilft, unsere Sozialsysteme effektiv zu entlasten \u2013 und was er zus\u00e4tzlich leisten kann, wenn der Rahmen daf\u00fcr stimmt Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 ist Migration ein gro\u00dfes Reizthema. 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